Kritik zu ""

klein&kunst online, 04.09.2006
Zuerst wird der Pianist (ein überaus angenehmes Wiedersehen und -hören mit der seinerzeitigen Gröll & Groebner-Hälfte Klaus Gröll!) erschossen, dann ertönt die weltberühmte Winnetou-Melodie und Olivier Lendl, I Stangl und Mike Supancic betreten die Bühne. In exakt dieser Reihenfolge und jeder mit einem Exemplar von "Winnetou I" bestückt.

Was ab jetzt folgt ist weder in seiner Chronologie noch in seiner inhaltlichen Überraschungsdichte dem Gesehenen und Gehörten entsprechend wiederzugeben. Zum einen steht da ein Trio auf der Bühne, das bereits in unzähligen Soloprogrammen bewiesen hat, zum Allerwitzigsten zu gehören, was Österreichs Kabarettszene derzeit zu bieten hat. Drei mit einer Vielzahl an Talenten gesegneten Vollblutkomödianten, die sich mit diesem unnachahmlichen Ausflug in die Welt des Karl May nicht nur einen Herzenswunsch erfüllt haben, sondern damit punkten, dass herzhaftes Blödeln sehr wohl auch auf höchstem Niveau stattfinden kann. Und zum anderen, weil die drei Spaßprotagonisten ihren eigenen Ablauf immer wieder diversen Unterbrüchen unterziehen. Das, was die drei Freunde (auch im wirklichen Leben) so einzigartig macht, sind im Prinzip ihre ähnlichen, vielfach sogar gleichen Eigenschaften: Sie sind von Natur aus fröhliche Menschen und lachen auch privat gerne und viel, was man ja nicht wirklich von jedem Kabarettisten behaupten kann. Sie sprechen eine Unzahl an Sprachen - mit der Zunge sowieso, aber auch mit dem Körper. Sie beherrschen alle drei das blitzschnelle Umswitchen in andere Typen und Charaktere und können diese auch jederzeit abrufen und halten - ebenfalls keine Selbstverständlichkeit. Und: Lendl, Stangl und Supancic haben so etwas wie eine Humorsprudelmaschine eingebaut, eine Art Gag-O-Mat, der nicht nur Wuchteln produzieren kann, sondern auch Witzgut für die Ganglien.

Selbstverständlich hilft ihnen dabei Karl May mit "Winnetou I" gewaltig die diversen Lachzentren ihres Publikums zu malträtieren, denn Mays schwülstige Formulierungen und permanenten sexistischen Anspielungen sind schlicht und ergreifend schundliterarische Weltklasse. Glauben Sie mir: Spätestens nach "Winnetou lebt!" haben Sie zu den Begriffen "Reiten", "Anschleichen" und "Blutsbrüderschaft" ein völlig anderes Verhältnis.
Zum Glück ging es den Dreien bereits bei der Adaptierung des Textes nicht nur um denselben, sondern um die assoziativen humoristischen Möglichkeiten damit. Da werden Indianerdialoge mit Anheuerungsgesprächen bei den Tiroler Wildschützen verglichen, da wird Mays vielfach völlig unangebrachtes Fremdwörterfaible aufgedeckt, da kommt des Autors Herkunft (Deutschland!) und die damit verbundene Ahnungslosigkeit der präriespezifischen Flora und Fauna ins Spiel, seine fast an Unsterblichkeit grenzende Leidensfähigkeit nach Verwundungen en gros und en detail und natürlich seine homophilen Neigungen.

All dazu gesellt sich ein wahres Feuerwerk an Zwischenbemerkungen, Anspielungen und Abschweifungen, garniert mit bestens bekannten Schlagern aus dem an sich schon sehr lustigen Genre Western, wiedergegeben in bester Playbackmanier. Zeitweise zum Niederknien.
Winnetou (Grandios Mike Supancic als Pierre Brice!) hat seine eigene Prärie mit, sein Papa Intschu-Tschuna (Grandios Mike Supancic als zuzelnder Oberhäuptling - spürbar bis in die 4. Reihe) spricht mit gespaltener Zunge, seine Schwester Nscho-Tschi (Grandios Mike Supancic als Apachenlager-Unschuld) lernt in der Stadt dem weißen Mann zu Diensten zu sein und Karl May selbst (Grandios Mike Supancic als völlig verlorener Schriftsteller im fremden Lande) weiß nie so recht, ob er nun Karl May ist oder Old Shatterhand.

I Stangl brilliert als sich im Wind wiegender und schattenspendender Baum, als übermächtiger Grizzley, als pausenlos in irgendwelche blöden Faustkämpfe verwickelter Old Shatterhand, als völlig durchgeknallter Sam Hawkens und als böser, böser Santer. Stangls blitzschnelles Verlassen einer Rolle ist große Schauspielkunst. Allein sein stechender Blick und sein Klaus-Kinski-haftes Augenfunkeln verlangt von seinen Mitspielern ein Höchstmaß an Disziplin. Oft hilft da nur mehr wegschauen.

Wenn Olivier Lendl Sam Hawkens (ja, die tauschen oft die Rollen, die Herren), dessen Maultier Mary, den Kasperl, den Reich-Ranicki (den im übrigen in einer herrlichen Parodie alle drei gleichzeitig mimen), den deutschen Ex-Junkie Klekih-Petra oder den von unzähligen Messern an den Marterpfahl gespickten Rattler verkörpert, dann ist das Komik pur und durchaus vergleichbar mit Großmeistern wie Jerry Lewis oder Jim Carrey.

Alles in allem eine der wunderbarsten Attacken auf Lachmuskeln und Alltagsgries-Griesgrämigkeit, der man nicht nur einen herrlichen Abend abgewinnen kann, sondern auch unbändige Lust den guten, alten Karl May wieder einmal herzunehmen und ein bisserl drin zu schmökern. Garantiert unter völlig neuen Aspekten.

Alfred Koholek

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