Kritik zu "Ich bin nicht allein"

Der Standard, 31.12.2013
Mike Supancic begeistert mit "Ich bin nicht allein "

Wien – Schon vor zehn Jahren, in Das Geheimnis von Imst, berichtete Mike Supancic von einer abenteuerlich-grotesken Zugfahrt. Tirol ist auch in seinem neuen Programm Ich bin nicht allein, das am Mittwoch im Wiener Stadtsaal Premiere hatte, das Ziel der Reise. Doch nie zuvor war eine Geschichte des steirischen Kabarettisten derart aberwitzig-turbulent.

Supancic erzählt, dass er seinem Onkel Hansi zu dessen 90. Geburtstag eine Gesundenuntersuchung geschenkt habe. Um den alten Herrn nicht allein zu lassen, begleitete er ihn ins Sanatorium. Den Zug verpassten sie zum Glück. Denn dieser verlor, weil die Schienen gestohlen worden waren, die Contenance. Was sich dann abspielte, malt Supancic mit blühender Fantasie aus: Eine Frau wird von ihren Gedärmen stranguliert, der geköpfte Schaffner kontrolliert weiter die Fahrkarten.

Im Sanatorium trifft Supancic, während sein Onkel aufgenommen wird, auf allerlei dubiose Patienten. Ein Steirer berichtet stolz, dass sein Blinddarm kurz vor dem Durchbruch stehe, ein anderer glaubt, Stan und Olli zugleich zu sein. So erklärt sich auch der Titel: Ein Schizophrener ist mit sich nicht allein. Um sich die Zeit zu vertreiben, geht der Erzähler im Dorf in ein Running Schischuh, wo ihm am laufenden Band österreichische Spezialitäten in Mini-Schischuhen serviert werden.

Draußen findet unterdessen der Song Contest der Rechtsradikalen statt, zu dem Moderator Strache "rechts herzlich" vier Teilnehmer begrüßt. Victor Orbán tritt mit "Roma-Jagd" zur Musik von Emmerich Kálmán an, Silvio Berlusconi mit dem 60er-Jahre-Hit Zwei kleine Italiener. Der Text ist, wie bei allen Supancic-Interpretationen, natürlich ein anderer: "Zehn kleine Afrikaner im Flüchtlingsboot nach Napoli ..." Und wenn sie versinken, dann nimmt es Berlusconi mit "Humore" (statt Amore).

Griff Supancic früher zeitweise zur Gitarre, so nimmt er sie jetzt gar nicht mehr ab: Die Handlung, die zum Horrortrip wird, dient nur dazu, die Songs und Coverversionen (Roy Black, STS, Deep Purple, Uriah Heep, Opus, Georg Danzer, Minisex, Nena, Kraftwerk, Bob Marley, Queen) aufzufädeln. Perlen sind sie alle: Supancic kritisiert die Nahrungsmittelindustrie, den Tourismus, die Polarisierung von Reich und Arm, die Bildungsmisere und die sudernden Lehrer. Er hat auch keine Scheu, politisch inkorrekt zu sein. Zum Schluss, nach dem frenetischen Jubel, darf Herbert Prohaska wieder analysieren. Mit den vier Rechtsaußen, die nach der Pause ins Spiel kamen, sei einfach kein Match zu gewinnen. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 4.10.2013)

Thomas Trenkler

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"Ein parodistisches Ausnahmetalent. Biegen vor Lachen und tosender Applaus!"
(Wiener Zeitung)
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