Kritik zu "Mike Supancic & Los Cravallos"

diekleinkunst.com, 31.12.2013
Das erste Lied des Abends heißt Apokalypse. Eine verkürzende Übersetzung dieses griechischen Wortes
bedeutet Weltuntergang. Wenn da überhaupt etwas untergeht, dann ist es höchstens die Stimme von Mike, denn anfangs sind die Ton- und Stimmregler aus dem Lot. Spätestens mit dem zweiten Lied passt dann die Balance zwischen Stimm- und Musiklautstärke. Der Rest des Konzerts ist für mich viel mehr eine positive Offenbarung, die wohl treffendere für Apokalypse.

Mikes musikalische Botschaft ist von Anfang an klar, trägt er sie doch in breiten Lettern auf seinem T-Shirt: Fuck Pop Let’s Rock heißt die Devise. Bei Musik kennt er offensichtlich keine Kompromisse. Dementsprechend gibt es auch eine Bühnenshow, wie bei einem „echten“ Rockkonzert: Da steigt der Bühnennebel auf. Die Lichtorgel läuft auf Hochbetrieb. Die Lautstärke ist gerade an der Grenze zur Ohrstöpsel-Pflicht. Auch Mikes Mimik und Gestik steht großen Rockstars um nichts nach. Gut, er mag zwar vielleicht nicht so posen wie ein Alice Cooper oder Freddie Mercury, aber Joe Cocker hat es schließlich ja auch zu etwas gebracht.

Prinzipiell ist die neue CD bzw. das Konzert eine gelungene Mischung aus neuen Songs und echten Klassikern. Was bei Mike Supancic ungerechterweise schon fast als selbstverständlich angenommen wird, ist seine geniale Fähigkeit zur Parodie. Auf der neuen CD „Bis der Stromausfall uns scheidet“ clownt er sich musikalisch in bewährter Weise durch ein sehr breites Spektrum an Musikstilen: Der Heavy Rock (Apokalypse, Halloween, Der Waffennarr reloaded) mag zwar seine Heimat sein, aber wir hören genauso, Country-Rock (Moonlight Brothers), Funk (Bio Power), R&B (Riding on an OEBB-Train, Navi Blues), Death Metal (Herr König), Irish-Folk (O’ Leary) , Balkan-Ska (Szoping Ska), Punk (Wir fackeln heut die Börse ab), Reggae (Lagerhaus Reggae).

Während des Konzerts werden wir zusätzlich mit Parodien auf 70er-Jahre-Disscomusik, Alpen-Jazz und World Music beglückt. Die Bandbreite seiner musikalischen Eigenkompositionen betrifft aber nicht nur den instrumentellen Part, sondern auch seine stimmlichen Imitationsfähigkeiten. Eigentlich unvorstellbar, dass ein und dieselbe Person einmal nach Bob Marley, im nächsten Moment nach Tom Waits, dann nach Ronnie Drew oder Farin Urlaub klingt. Weiß denn dieser Mensch eigentlich selbst noch, mit welcher Stimme er, er selbst ist?!

Um einen kompletten Konzertabend bestreiten zu können, greift die Band zusätzlich auf Fremdmaterial zurück.
Egal ob Fremd- oder Eigenkompositionen, was Mikes Lieder auszeichnet, sind die bissigen und pointierten Texte. Diese umspannen spöttische Schilderungen seiner Befindlichkeiten oder Beobachtungen seines unmittelbaren Lebensumfeldes. Zum Beispiel erfährt man in Moonlight Brothers von den Leiden des Tourlebens („Das Catering ist flüssig, mein Stuhl ebenso“). Im Navi Blues erkennen wir, wo die Abhängigkeit der Technik führen kann, nämlich in die Irre.

Supancic versteht es aber auch seit eh und je, Texte mit gesellschaftskritischem Anspruch zu schreiben. Dies
geschieht nicht mit erhobenem moralinsäuregetränkten Zeigefinger, sondern immer mit dem nötigen Schuss Ironie. So bekommen in Jeder kann was gwinnen (Hot Chocolate – Everyon’s a Wnner) die skrupellosen
Wirtschaftsspekulanten ihr Fett ab. In Szoping-Ska prangert er mit einem Wortstakkato den Konsumterror an, und reißt damit das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. In Der Waffennarr reloaded werden die Ewiggestrigen durch den braunen Kakao gezogen.

Mike Supancic beweist an diesem Abend einmal mehr, dass er eine nicht enden wollende Quelle an kreativen Liedparodien ist. Das Neue an dieser CD bzw. an diesem Gig ist, dass seine Songs mit bombastischem musikalischen Arrangement remastered werden. Das fetzt und rockt, und ist natürlich ein Hörgenuss. Er harmoniert mit den Profimusikern Los Cravallos unheimlich gut, und man merkt, dass alle mit unheimlichem Spaß zu Werke gehen. Das Problem, welches ich aber an der Sache sehe, ist, dass bei so fettem Sound der Text nur mehr schwer zu verstehen ist. Gerade dies ist aber bei Mike Supancics Liedern nicht ganz unwesentlich. Den Edelfan wird dies aber sicher nicht stören, denn der kennt die Texte eh in- und auswendig, und ist Mike Supancic & Los Cravollos für diesen mitreißenden Konzertabend dankbar. Spätestens bei der Zugabe – ein AC/DC-Medley – brodelt die Halle und auch ich bin vollends enthusiasmiert.

Markus Freiler

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"Laut, fetzig, rotzig und rockig!"
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