Kritik zu "Radio Supancic"

Klein & Kunst Online, 14.02.2011
Selten so getobt wie dienstags im Niedermair. Selten so herzerfrischend gekudert wie dienstags im Niedermair. Selten so Bauchmuskelschmerzen gehabt wie dienstags im Niedermair. Weil "Mike is in town". Mike Supancic mit seinem jüngsten Wurf "Radio Supancic". Und das gehört gesehen.

Die Tatsache, dass Mike Supancic der mit Abstand beste Musikparodist deutschsprachiger Zunge ist, kann als hinlänglich bekannt vorausgesetzt werden. Die diversen Erwartungshaltungen der Branche - also sowohl jene der Fans als auch die der Kollegen und der kritisierenden Journaille - waren nach den fulminanten Erfolgen der letzten Programme "Strenge Kammerspiele", "Zirkus Supancic" und "Mike Supancic und das Geheimnis von Imst" dementsprechend hoch angesiedelt. Erwartungshaltungen, die Supancic nicht nur souverän erfüllte, sondern bei weitem übertraf. Denn der gebürtige Kapfenberger überzeugte einmal mehr mit einem schier sensationellen Reigen an bekannten Melodeien (locker jenseits der 40 Stück), zu dem ihm und seinen ebenfalls überaus lobend zu erwähnenden Co-Autoren Hannes Vogler, Leo Lukas, Olivier Lendl und I Stangl (der im übrigen auch regiemäßig für zum Teil echt verblüffende Highlights sorgte) herrlich sarkastische, oftmals bitterböse Texte einfielen.

So erfährt man also in "Radio Supancic" von den Dreharbeiten zu Franz Antels "Bockerer 14 - Die schwarzblaue Wende", von der ultimativen Castingshow "Österreich sucht den Superfleischhauer" und die neuesten Tipps von Professor Hademar Herzbankl zur Bekämpfung von Kehlkropfkrebs ("Da hilft nur Gurgeln mit Schwarzbeeren") und Melanomen ("am besten mit auf 68,4 Grad erhitzter Butter, gefüllt in ein soeben abgeschnittenes Pferdeohr"). Sigi Berrrgmann (der, der mit dem R rollt) meldet sich live von den Wienerrr Bezirrrksmeisterrrschaften im Frrustfrrressen und vom Drrressurrrgehen im Palais Ferrrstel, das ganz im Zeichen von Benita Ferrrerrro-Waldnerrr steht, und der leicht auf Entzug stehende Karl Moik präsentiert den elfjährigen Kinderstar Patrick mit seinen Lieblingskinderliedern über internationale Organhändler, rumänische Kinderprostituierte und heimische Priesterseminaristen.

Schlichtweg sensationell der Erbschaftsstreit der beiden Tiroler Brüder, ein absolutes Highlight des Programms, über das hier an dieser Stelle ganz bewusst nichts verraten wird, das MUSS man live erlebt haben. Genauso wie Arnie Schwarzenegger, der das Geschichtsbild zurechtrückt, jenes von Österreich im allgemeinen und jenes der Steiermark im besonderen. Denn was wir alle nicht wussten ist, dass der Karl Renner 1978 oder 1998 (so genau weiß das der Arnie nicht mehr) den berühmten Staatsvertrag mit Mao Tse Tung schloß und Österreich für kurze Zeit sogar zur chinesischen Provinz mutierte. Wofür es im übrigen heute noch sichtbare Zeichen gibt, zum einen die vielen noch erhaltenen Restaurants an fast jedem Eck und zum anderen die chinesischen Ortsnamen - Lang Enwang, Lie Zen oder Mei Dling.

Was ebenfalls die wenigsten von uns wussten, ist der Fact, dass Jazzlegende Miles Davies und sein Sound eigentlich von einer rostigen steirischen Stadltür beeinflusst wurde, dass der "Puppenspieler vom Wörthersee" mit dem Ghadaffi Mittagessen war, mit dem Wolfi Schüssel Porsche fährt und mit seiner Schwester Uschi Haubner Schlitten, weil sie in der ZIB 2 schon wieder ganz was anderes gesagt hat, als ausgemacht war. Einzig und allein dem Frankie Stronach scheint niemand gewachsen, was im übrigen auch ziemlich eindrucksvoll in "Frank - Das Musical" dokumentiert wird. Die Geschichte des Franz Strohsack, vom kleinen Steirerbuam bis zum Kaiser von Österreich - ein bunter Melodienreigen kreuz und quer durch die heimischen Machtstrukturen.

Wenn Publizistik-Studenten wegen der Studiengebühr Flugzeuge entführen müssen, wenn bei der 1. Gerichtsshow im Radio ("Der Täter im Äther") die ganze Absurdität ähnlicher Fernsehformate drastisch vor Augen und Ohren geführt wird, wenn Jamie Oliver in Traiskirchen ein 50 Cent-Menü kocht und der Sieger bereits erwähnter Castingshow "Österreich sucht den Superfleischhauer" (in der Jury: Dieter Bohlen und Barbara Rett) von den 4 Pfoten kommt und eindrucksvoll beklagt, dass man ihm sein ganzes Leben lang den Leberkäse verweigert hat, dann ist man nicht nur mit einem Ideenfeuerwerk der Extraklasse konfrontiert, sondern mit einer darstellerischen Leistung ersten Ranges. Perfektes Entertainment eines der ganz Großen seiner Zunft.

Supancic Themen sind aktuell und zeitlos zugleich, seine ganz besondere Gabe, humoristisch verpackter Betroffenheit noch einen absurden Kick mitten ins Lachzentrum mitzugeben, machen ihn zu einem kabarettistischen Kleinod, machen ihn - ohne zu übertreiben - einzigartig. Hinzu kommt, dass Supancic vor allem schauspielerisch gewaltig zugelegt hat, was dem Gros der Nummern eine geradezu unvergleichliche Performance verleiht. Die Spielfreude, mit der Supancic die knapp zwei Stunden beste Unterhaltung auf höchstem Niveau abliefert, ist zweifelsohne ansteckend, was - zumindest beim Premierenpublikum am 11. Jänner im Kabarett Niedermair - eingangs erwähntes beinahe durchgehendes Toben, Kudern und Bauchmuskelweh zur Folge hatte. Es sind vor allem auch seine Lieder, die nachhaltig in uns wühlen, denn einprägsame, bestens bekannte Melodien als Transportmittel für starke Texte ("Wo der Tod ist, gibt es immer was zum Sehen" hat z.B. allerbeste klassische Liedermacher-Qualität) sind zwar bekanntermassen garantierte Bonuspunktebringer, jedoch in der gesamten Kabarettszene in dieser Qualität eher selten gestreut.

Bleibt nur noch ein Extra-Hinweis auf die Zugaben, auf den lachkrampfgeplagten Helmut Pechlaner, auf die Benefiz-CD der Austro-Pop-Stars zugunsten Schönbrunns und auf die Analyse von "Schneckerl" Prohaska: "Dem Kabarett muß man nehmen wie er kommt." So isses.

Willy Zwerger

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